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Aktuelles

21.05.2020

Herzensweite - Gedanken zum Himmelfahrtstag

Himmelsweite

Als Kind habe ich an den Rändern der Erde gelebt. Ich lief aus unserer Wohnung durch den Kühlungsborner Stadtwald. Schon stand ich am Meer. Mein Blick wurde weit. Bis zum Horizont, wo sich Wasser und Himmel begegnen und alles verschwimmt. Wie liebe ich diesen Blick ins Weite, über das Meer und einen Himmel, durch dessen Blau Wolkenschiffe segeln.

Als das Virus kam, wurde die Welt plötzlich ganz eng. Die Angst regierte. Sicherheit wurde großgeschrieben. Ich durfte nicht mal mehr auf einer Bank sitzen und lesen, selbst wenn ich dabei ganz allein war. Menschen in den Pflegeheimen und Krankenhäusern wurden abgeschirmt. Wir verriegelten die Türen unseres Kirchenamts. Sitzungen entfielen. Ich lernte es, in Videokonferenzen und in digitalen Räumen zu bereden, was wichtig ist.

Dabei ist die Sehnsucht gewachsen. Manchmal bricht sie sich Bahn. Wenn Bewohner des Marthahauses sich zum Singen vom Balkon verabreden, wenn kirchliche Mitarbeitende neue Formen finden, um Menschen auch in dieser Zeit nahe zu sein, wenn die Melodie einer Querflöte oben von den Hausmannstürmen klingt.

Heute ist Himmelfahrt. Lasst uns das feiern: In Open-Air-Gottesdiensten oder unterwegs mit dem Bollerwagen hinaus ins Weite. Mit dem Wissen um Aerosole und Abstandsregeln. Aber auch mit einem Herzen, das den Himmel spürt - und weit wird, weil wir aufeinander achten und uns Raum geben.

(Hans-Jürgen Kant, Beitrag in der Mitteldeutschen Zeitung vom 20.05.2020)


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