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Aktuelles

01.04.2020

Stilles Gebet

Kreuz

Stilles Gebet

In meiner Straße ist eine Kirche, die in diesen Viruszeiten jeden Abend eine Stunde offen steht. Drinnen scheint die Sonne den Mittelgang hinunter durch die weit geöffnete Tür und es ist absolut still. Kein Gesang, keine Andacht, kein Gottesdienst. In einigen Bänken sitzen mit großem Abstand Menschen, die meisten allein. Im großen Glasfenster über dem Altar segnet Jesus Christus die Anwesenden. Seine Figur leuchtet hell.

Beten ohne Gesang, ohne Gottesdienst, ohne Gemeinschaft ist nicht einfach. Allein beten.

Mir hilft eine Struktur, die Gedanken fließen zu lassen und zu hören, was aus mir kommt und was Gott mir sagen will. Mir hilft das Wissen um die Gemeinschaft mit den wenigen Menschen in dieser Kirche, den Freunden aus der Gemeinde und allen Christen.

Ich bete das Vaterunser. Das ist vertrauter, geordneter Boden. Das ist die Gemeinschaft. Da sind Anrufung, Lob, Dank, Bitten. Gleichzeitig hilft mir das Vaterunser, zur Ruhe zu kommen. Nach jeder Zeile einmal ausatmen, bewusst eine Pause und einatmen. 

Ich danke dem Herrn. Dank ist mitgeteilte Freude, weshalb Dorothee Sölle es als geistliche Übung bezeichnete, jeden Tag drei Dinge zum Danken zu finden. Meist sind es Alltäglichkeiten, die erst die achtsame Betrachtung des Tages hervorbringt. Eine Blume, die heute aufgeblüht ist. Etwas in einem Buch, das mir einen neuen Gedanken gebracht hat. Ein nettes Wort beim Einkauf, als ich wieder mehr Zeit gebraucht habe. Dieses bewusste Wahrnehmen des Schönen hilft, nicht in Weltschmerz über all die beunruhigenden Nachrichten zu versinken. 

Das Vaterunser zum neu sammeln und wieder mit Atempausen für die Ruhe.

Dann nehme ich mir Zeit, um meine Klagen, meine Sorgen vor Gott zu bringen. Warum prüft er uns mit Krankheit, Leid und Tod? Warum muss dieser Mensch jetzt auch noch von dieser Krankheit bedroht werden? Warum bin ich oft so mutlos? Warum verhindert er die Gemeinschaft, die seine Kirche doch trägt?

Das Vaterunser.

Wie im Gottesdienst stehen die Fürbitten am Ende. Ich spreche Fürbitten für konkrete Menschen. Menschen, die ich kenne, die mir wichtig sind und für die ich konkrete Bitten habe: Herr, lass ihn gesund werden. Herr, beende ihr Leiden. Oft bitte ich auch für mich: Herr, gib mir Geduld und zeige mir, was ich sinnvoll tun kann. 

Vor dem abschließenden Vaterunser spreche ich in dieser Zeit Worte, die mir in der Vergangenheit bei schwerer Krankheit, am Krankenbett und beim Abschied von einem lieben Menschen mehrfach Kraft gegeben haben. Worte, die Jesus Christus an Marta gerichtet hat:

"Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, ob er gleich stürbe; und wer da lebt und glaubt an mich, der wird nimmermehr sterben.“ Joh 11, 25-26

(Steffen Schille)


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