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Aktuelles

01.03.2021

Wort für den Tag - 1. März

Friedensgebet

Jeden Montag um 17.00 Uhr findet in der Marktkirche das Friedensgebet statt.

Hier ein Wort für den heutigen Montag:

Das Buch Ester ist ungewöhnlich für ein Buch der Bibel. Es beschreibt wie ein Märchen die sagenhafte Pracht und den Reichtum des Persischen Reiches. Das Buch erzählt von einer starken Frau, die als jüdisches Mädchen wegen ihrer Schönheit zur Königin gemacht wird und mit einer überraschenden, intelligenten und mutigen Aktion ihrem Volk das Leben rettet. 

Die vorherige Königin wird verstoßen, weil sie sich weigerte, sich als schmückendes Beiwerk des Königs dem Volk vorführen zu lassen. Der König befürchtet, dass diese Auflehnung Schule machen und sich bald zu einer Rebellion der Frauen ausweiten könnte. Der König lässt im ganzen Land nach einem geeigneten „Ersatz“ suchen und entscheidet sich für die „schöne und hübsche“ Ester als neuer Königin. Zunächst fügt sie sich ein, verheimlicht ihre jüdische Abstammung und hält sich an die Regeln.

Das Buch erzählt auch die Geschichte der Verfolgung des jüdischen Volkes. Der oberste Berater des Königs will nach einem Streit mit einem hochrangigen Beamten, der Jude ist, Rache und bringt den König dazu ein Gesetz zu erlassen, nach dem landesweit alle Juden getötet und ihr Vermögen an den König und den obersten Berater eingezogen werden soll.

Ester erfährt von diesem Plan, offenbart dem König ihre Herkunft und bringt den obersten Berater bei einem Festmahl mit einer List dazu, den geplanten Völkermord zu gestehen. Der König kann den bereits gegebenen Befehl nicht aufheben, ohne sein Gesicht zu verlieren. Ester bringt den König dazu, seinen Befehl so zu „ergänzen“, dass er sich jetzt gegen die Verfolger des jüdischen Volkes wendet und das jüdische Volk gerettet wird.

Mit der Unfähigkeit des Königs, eigene Fehler einzugestehen, selbst nachdem er sie als unmenschlich erkannt hat, blieb nur noch der Ausweg die Notwehr des jüdischen Volkes gegen seinen eigenen Befehl zu erlauben. Dass der König sich darauf einließ und damit Widerstand gegen diejenigen zuließ, die seinen ersten Befehl ausführen sollten, ist ein Wunder, das den Sieg des jüdischen Volkes über seine Feinde ermöglichte. 

Aus Erinnerung an das Wunder dieser Rettung des jüdischen Volkes aus einer Verfolgung, nur weil sie anders sind, als die anderen Völker (Ester 3,8) wird im Judentum jedes Jahr das Purimfest begangen. In diesem Jahr begann es am 25. Januar. Purim wird bunt verkleidet gefeiert und bei der Lesung wird der Name des Verfolgers mit Klappern und Ratschen unhörbar gemacht. Außerdem werden Geschenke für Freunde und Geliebte überreicht und Spenden für Bedürftige gesammelt. Die Nähe zwischen gut und böse, Hass und Liebe wird so erfahrbar.

Ester ist für mich aus heutiger Sicht so ungewöhnlich, weil sie sich an die bestehenden Regeln hält und die Regeln mit Weisheit zugunsten ihres Volkes nutzt. Sie lehnt sich, anders als die vorherige Königin, nicht offen gegen den König auf. Mit Auflehnung hätte sie ihre Position verloren und ihrem Volk nicht helfen können. 

Verletzte Eitelkeit, Gier nach Macht und Geld, Gefangensein in verkrusteten Strukturen, in hergebrachten Denkmustern und in Filterblasen führen auch heute noch zu Hass und Gewalt. Dem kreativ, friedlich und verzeihend zu begegnen, wünsche ich mir für diesen Tag.

Lied: EG 416

O Herr, mach mich zu einem Werkzeug deines Friedens,
dass ich Liebe übe, wo man sich hasst,
dass ich verzeihe, wo man sich beleidigt,
dass ich verbinde, da, wo Streit ist,
dass ich die Wahrheit sage, wo der Irrtum herrscht,
dass ich den Glauben bringe, wo der Zweifel drückt,
dass ich die Hoffnung wecke, wo Verzweiflung quält,
dass ich ein Licht anzünde, wo die Finsternis regiert,
dass ich Freude mache, wo der Kummer wohnt.

Gebet: 

(Aus dem Interreligiösen Friedensgebet der Frauen Hamburg 2017)

Mache uns zu einem Werkzeug
deines Friedens.
Gib uns den Mut, dass wir bereit sind,
uns unseren Ängsten zu stellen
und uns dennoch nach unseren Möglichkeiten
für Gerechtigkeit und Verständigung einzusetzen.

Gib uns Kraft und lass uns nicht verzagen,
wenn wir an die Kriege dieser Welt denken.

Gib uns Frieden
und führe uns aus der Finsternis zum Licht. Amen.

Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Tag,

Steffen Schille (Marktkirchengemeinde)


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