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Aktuelles

21.01.2021

Wort für den Tag - 22.1.2021

Wort für den Tag: 22. Januar 2021

Werden es heute weniger als 1000 in der Folge der Virusinfektion Gestorbene sein? Gestern meldete das RKI: 1013 Tote. Ich höre Zahlen und kenne die Menschen nicht, von denen sie berichten. Vor ein paar Tagen erhielt ich die Nachricht von einem, der gestorben ist, den ich kannte. Seine Tochter, seine Enkelkinder trauern. Aber selbst das Trauern ist nicht frei. Es muss den Regeln gehorchen, die weitere Ansteckungen verhindern sollen. Wie lange noch?

„Dann werden sie umkehren, die Kinder Israels, und den Ewigen suchen, ihren Gott, mit Zittern werden sie sich an den Ewigen wenden, und seine Segensfülle wird da sein am Ende dieser Tage.“ (Hos 3, 5; Losung der Herrnhuter Brüdergemeine zum heutigen Tag)

Schon sehr lange reden die Propheten vom Umkehren. Schon sehr lange wird das auf Kirchentagen gefordert, in vielen Predigten, in manchen klugen Artikeln. Aber wann und wie gelingt es, dieses große Umkehren zur Segensfülle? Wann bricht es endlich an, das Leben ganz in Frieden, in so großem Frieden, dass kein neues Überspringen eines Virus aus der Tier- in die Menschenwelt zu fürchten ist? Wann bricht es an, das große Umkehren, das keinen in Not mehr allein lässt, das die liebevolle, fürsorgliche Seite des Menschen feiert? Nie – oder erst am Ende aller Tage?

Liegt es an mir, und an vielen Millionen Einzelnen, dass das Umkehren nicht gelingt, oder nur halb, und die andere Hälfte immerzu aufgeschoben wird? Oder liegt es an den Rahmenbedingungen, die doch andere schaffen müssen, die Politik, die Gesetzgeber, die „Spielregeln“ der Wirtschaft, nicht ich?

Manchmal gibt es solche Sternstunden, in denen Katastrophen zum Umdenken führen. Ich habe sie selber miterlebt. Auf einmal gehen die Grenzen für verzweifelte Flüchtlinge auf, und die Hilfsbereitschaft scheint grenzenlos. Auf einmal wird „Fridays for future“ gehört, und alle Parteiprogramme werden „grün“. Jedes mal gehen die vielen Einzelnen und die Politik zusammen, und zuvor fest verschlossene Türen springen plötzlich auf.

Ob diese Pandemie auch eine Sternstunde auslösen kann: Wilde Tiere, von den unscheinbarsten kleinen bis zu den großen, werden besser geschützt, ihre Lebensgebiete in Urwäldern und Ozeanen blühen auf, und auch die Feldraine und Waldränder und Wiesen in unserer Umgebung blühen mit?

Das Trauern nimmt auf einmal den ersten Platz ein, der Verstorbenen wird in den Familien und öffentlich gedacht, und wirkliche Lebensfreude hat wieder Platz nach der Trauer, ist nicht nur oberflächliche Patina, sondern kommt aus der Tiefe?

Und über allem und in allem wird der Schöpfer gepriesen, dessen Geist auch die große Umkehr ins Laufen gebracht hat, und die Menschen in unserer Nachbarschaft lauschen auf unsere Gebete und reißen uns unsere Loblieder von den Lippen?

Noch hat nach diesen Sätzen das Fragezeichen das letzte Wort. Aber den Anfang haben schon die alten Prophetinnen und Propheten gesetzt.

Lied: „Komm in unsre stolze Welt“, EG 428, Str. 5

Komm in unser dunkles Herz, Herr, mit deines Lichtes Fülle;
dass nicht Neid, Angst, Not und Schmerz deine Wahrheit uns verhülle,
die auch noch in tiefer Nacht Menschenleben herrlich macht.

Gebet:           

Du siehst jeden einzelnen an. Mich erschrecken die Zahlen. Du vergisst keinen. Ich halte das nicht aus ohne Vergessen. Um Deinen Geist bitte ich, die Trösterin. Sie soll jede Familie besuchen, die jetzt trauert. Jede Freundin und jeden Freund. Jeden allein Trauernden. Um Deinen Geist bitte ich, die Lebensspenderin. Sie wecke in uns die Erinnerung an Deine Verheißungen. Sie wecke in uns  neue Hoffnung und neue Freude über Deinen Segen. Amen.

Ihnen allen einen gesegneten Tag wünscht  Martin Herzfeld.


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