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Aktuelles

19.04.2020

Vor 75 Jahren endete der Krieg in Halle

Das zerstörte Halle 1945

Am Sonntag werden unsere Glocken in der Zeit von 10.55 bis 11.05 Uhr läuten.

In amerikanischen Tagebüchern, den "after action reports", wird beschrieben, dass am Morgen des 19. April 1945 um 10.55 Uhr die Kriegshandlungen in Halle beendet wurden.
Es ist 75 Jahre her, dass Halle im Gegensatz zu Magdeburg, Dresden, Hamburg und vielen anderen großen Städten nicht in Schutt und Asche gelegt wurde. Die Stadt hat nur wenig Zerstörung durch den Krieg erlitten. Unter anderem wurde auch unsere Kirche an der Nordostseite getroffen.
Das Läuten am Sonntagmorgen soll genau an diesen friedlichen Aspekt erinnern. Es soll die Dankbarkeit betonen, dass dieser Krieg nicht auch hier Tausende in den Tod gerissen hat.

(Simone Carstens-Kant)

Suche Frieden und jage ihm nach! (Psalm 34,15)

In diesen Tagen vor 75 Jahren passierte in Halle etwas Erstaunliches: Während in anderen deutschen Großstädten Nationalsozialisten, Wehrmacht und Bevölkerung bis zur völligen Zerstörung der Städte das nationalsozialistische System gegen die alliierten Befreier  verteidigten, taten sich in Halle Menschen zusammen. Verschiedene Gruppen, aus der Wehrmacht z.B. um Felix Graf von Luckner und Fritz Hartnagel, aus der Zivilbevölkerung z.B. um den Professor Theodor Lieser und um den damaligen nationalsozialistischen Oberbürgermeister Johannes Weidemann, fanden zueinander. Die Gruppe um Lieser verteilte Flugblätter „Weiße Fahnen heraus“. Wehrmachtsoffiziere ordneten ihren Einheiten die Einstellung der Kampfhandlungen an. Zusammen fuhren sie den amerikanischen Truppen entgegen und verhandelten die kampflose Übergabe der Stadt. Dies war nicht ungefährlich: in diesen Tagen wurden von deutschen Truppen fast alle Brücken der Stadt gesprengt und überlaufende Wehrmachtsangehörige erschossen. Der Versuch gelang: Der 19.April 1945 gilt als erster Friedenstag in der Stadt.

Völlig verschiedene Menschen mit den unterschiedlichsten Hintergründen haben zusammen etwas getan. Sie haben nicht gewartet, dass irgendjemand etwas tun wird. Sie haben nicht alles verloren gegeben, sondern sind selbst aktiv geworden. Sie haben sich verbündet, auch wenn sie mit den Motiven der anderen nichts anfangen konnten. Das wichtige war: Es muss Frieden werden.

Mich beeindrucken dieser Mut und die Entschlossenheit. Wichtig ist die Botschaft: in Zeiten höchster Not, muss man Menschen vertrauen und mit ihnen zusammengehen, auch wenn man sie nicht kennt oder ihre bisherigen Taten verurteilt.  Damals wie heute gilt:
„Friede soll sein, weil Christus in der Welt ist. … Es gibt keinen Weg zum Frieden auf dem Weg der Sicherheit. Denn Friede muss gewagt werden.“ (Dietrich Bonhoeffer, 1934)

(Steffen Schille)


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