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Aktuelles

02.05.2020

Wort für den Tag: Samstag, 2. Mai

Die Natur rund um Ravensbrück war so schrecklich schön, dass ich dachte, später willst du noch einmal zurückkommen und durch die Wälder spazieren gehen.

                 Will Wolthuis-Bertholèe (eine Gefangene des Konzentrationslagers Ravensbrück)

Gedanken für den Tag:

Gäbe es keine Corona- Krise, wäre ich heute in Fürstenberg/ Ravensbrück. Wir Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Laurentius- und Marktgemeinde fahren seit vielen Jahren mit unserer Konfirmandinnen und Konfirmanden an diesen Ort. Seit dem vergangenen Jahr hat sich auch die Kirchengemeinde Halle-Neustadt angeschlossen.

Das ehemalige Konzentrationslager Ravensbrück, in dem fast nur Frauen inhaftiert waren, liegt an einem See. Ganz ruhig ist es dort. Man hört das Plätschern des Wassers, sieht das Glitzern der Sonne auf dem Wasser. Und das zarte Grün der Bäume im Mai leuchtet – es ist ein wirklich sehr schöner Ort. Doch genau dort haben Menschen anderen Menschen unsäglich viel Leid angetan.

Am See - weithin sichtbar - steht eine große Skulptur: „Die Tragende“. Eine ausgezehrte Frau trägt in ihren Armen eine andere. Sie erinnert so an das Leid, aber auch an die Hilfe, die die gefangenen Frauen einander erwiesen haben. Nicht nur, dass sie sich manchmal einen Kanten Brot zusteckten, sie haben Gedichte geschrieben, gesungen, gemalt. Besonders beeindruckend finde ich ein winzig kleines Service aus einer Fischgräte, so filigran und fein, das eine Frau einer anderen zum Geburtstag gefertigt und geschenkt hat.

Wir fahren mit unseren Konfirmandinnen und Konfirmanden nach Ravensbrück, damit niemals aus dem Blick gerät, wozu Menschen fähig sind, zu entsetzlicher Grausamkeit und auch zu  großer Mitmenschlichkeit und Liebe.

Möge Gott uns die Kraft geben, die guten, die menschlichen, die liebevollen Seiten in uns zu stärken, damit andere sie sehen und spüren können.

 Lied „Ja, ich will euch tragen“ (EG 380, 1,2,6,7):

1. Ja, ich will euch tragen bis zum Alter hin. Und ihr sollt einst sagen, dass ich gnädig bin.

2. Ihr sollt nicht ergrauen, ohne dass ich's weiß, müsst dem Vater trauen, Kinder sein als Greis.

6. Denkt der frühern Jahre, wie auf eurem Pfad euch das Wunderbare immer noch genaht.

7. Lasst nun euer Fragen, Hilfe ist genug. Ja, ich will euch tragen, wie ich immer trug.

Gebet:           

Unser Gott, lass uns sehen und spüren, was uns leben lässt, die Liebe, die Wärme, die großen und kleinen Gesten der Menschlichkeit, die uns entgegengebracht werden.

Und lass uns auch für andere da sein. Zeige uns Wege, wie wir einander tragen, bewahren, helfen und erfreuen können. Amen.

Und was tun an diesem Tag?

Lesen Sie ein Gedicht von einer Frau. Nicht nur die großen Dichterinnen wie Hilde Domin, Rose Ausländer und Mascha Kalèko haben wunderbare Worte zu Papier gebracht.
Spüren Sie die Kraft ihrer Worte, ja, lassen Sie sich davon tragen.

Kommen Sie gut durch diesen Tag!

Ihre Pfarrerin Gundula Eichert (Laurentiusgemeinde)


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